Hintergründe #
Schon seit längerer Zeit hatten wir den Wunsch die Drehscheibe zu digitalisieren. Der Hauptgrund dafür war, dass die vorherige Drehscheibe nicht direkt über unsere verwendete Computersteuerung TrainController 10 Gold angesteuert werden konnte. Dadurch war der Betrieb immer etwas umständlich und erforderte viel manuelles Eingreifen - besonders beim Ein- und Ausfahren der Loks in den Ringlokschuppen.
Ein weiterer Punkt war der alte Motor der Drehscheibe: Er war nicht nur ziemlich laut, sondern auch recht unpräzise. Man hat also regelmäßig das gewünschte Gleis verfehlt. Zudem konnten die Signale auf der Drehscheibe nicht gestellt werden, was optisch auch nicht sonderlich schön aussah.
Plan #
Nach langer Recherche sind wir auf ein YouTube Video gestoßen, in welchem eine Drehscheibe mittels dem DSD2010 Decoder vom TrainController digital gesteuert wurde. Da war klar: Sowas brauchen wir auch. Das System besteht aus zwei Platinen:
Platine Bühne #
Die Platine auf der Bühne wird direkt auf dem drehenden Teil der Drehscheibe auf der Unterseite montiert. Dort werden die Gleise (bei uns auf 3 Rückmeldeabschnitte aufgeteilt), sowie die Sperrsignale, das Licht des Häuschens sowie das Blinklicht am Dach. Der Motor der Drehscheibe wird komplett gegen einen neueren modernen Motor ausgetauscht. Dieser wird natürlich ebenfalls an der Platine angeschlossen und bekommt noch einen Reflektor-Sensor, damit das System weiß, wie weit sich die Drehscheibe bereits bewegt hat und wo sie anhalten muss.

Platine Grube #
An den alten Kontakten der Drehscheiben-Grube, wo zuvor noch die alte Steuerung angeschlossen war, wir nun eine neue moderne Steuerung angeschlossen: die Gruben Platine. Diese spricht dann über die vorhandenen Kontakte im Drehkranz mit der Bühnen-Platine und steuert diese somit an. Durch die Verbindung mit dem Digital-Signal der Modellbahn kann die Drehscheibe dann angesprochen werden. Zusätzlich benötigt die Drehscheibe eine Versorgungsspannung und hat einen Anschluss für einen S88-N Rückmeldebus, worüber das Steuerprogramm Rückmeldungen über die Belegung der Drehscheibe sowie des Zustands feststellen kann.

Konfigurations-Programm #
Zur einfachen Konfiguration der Drehscheibe befindet sich auf der Gruben-Platine noch ein RS232 Anschluss. Dieser kann mit einem entsprechenden Kabel per USB mit dem Computer verbunden werden. Durch eine vom Hersteller entwickelte Software kann man die verschiedenen Parameter der Drehscheibe, wie die Anzahl und Position der Abgänge, die gewünschten Adressen (DCC oder MM) und die Geschwindigkeit des Motors sowie vieles mehr einstellen.
Umbau #
Kabelschlacht #
Wir haben mit dem Umbau der Bühne begonnen. Zuerst wurden alle vorhandenen Kabel und der Antrieb entfernt. Bleiben durften nur die Kontaktfähnchen, welche die Bühne mit der Grube verbinden. Danach haben wir diverse Kabel für die Beleuchtung des Häuschens, das Blinklicht, die Sperrsignale und die Gleisabgänge angebracht. An machen Stellen war es nötig mit einem Bohrer eine Durchführung von der Ober zur Unterseite zu erstellen. Danach haben wir die Bühnen-Platine mit doppelseitigem Klebeband an der Unterseite zwischen den beiden Trägern auf der gegenüberliegenden Seite zum Motor montiert. Dort wurde dann langsam klar, das wird eine tolle Kabelschlacht werden. Folgendes musste an der Platine angelötet werden:
- 3 Kabel jeweils für beide Sperrsignale
- 3 Kabel für die Beleuchtung des Häuschens und das Blinklicht
- 2 Kabel zum Motor
- 3 Kabel zum Sensor an der Reflektorscheibe
- 3 Kabel zu den Schleifkontakten als Verbindung zur Grube
- 4 Kabel mit je einer Diode zu den Gleisen für die Rückmeldung mit Dioden-Trick
Für eine saubere Kabelführung haben wir zwei grau lackierte Plastikröhrchen an den Seiten der Träger montiert, da man auf der Innenseite nur sehr begrenzt Platz hat. (Dort müssen ja weiterhin die Schleifer zur Grube sich frei bewegen können)
Optional hätte man noch einen Hall-Sensor einbauen können, damit die Drehscheibe immer die Ausgangsposition nach einer Störung finden kann, sowie Lautsprecher für einen realistischen Klang. Wir haben uns jedoch gegen die beiden Optionen entschieden, da wir diese nicht benötigen und es den Umbau nur verkompliziert.
Zwischen den Lötarbeiten wurde auch noch der neue Motor eingebaut, nachdem dieser mit einer Spannungsversorgung eine Weile nebenher eingelaufen war. Wir haben für das gesamte Prozedere mehrere Stunden benötigt. Ein geübter Bastler könnte das ganze vermutlich deutlich schneller realisieren.
Einbau in der Anlage #
Nachdem der Umbau der Drehbühne abgeschlossen war, haben wir unsere Arbeiten an der Anlage fortgesetzt. Die alte Märklin Steuerung wurde entfernt und stattdessen die Grubenplatine eingebaut. Glücklicherweise war in der Nähe bereits eine Versorgungsspannung vorhanden, welche wir nutzen konnten. Ebenfalls hatten wir viel Glück, da unter dem Betriebswerk das Ende des aktuellen S88 Bus vorhanden war, somit mussten keine Adressen der Abschnitte geändert werden, sondern das Modul konnte einfach am Ende eingefügt werden.

Konfiguration und Einbindung in den TrainController #
Nach dem Zusammenbau der Hardware ging es an die Konfiguration der Software. Mittels der Software von Sven Brandt, dem Entwickler der DSD2010, haben wir die Adressen für die Drehscheibe vergeben und die richtigen Gleisabgänge konfiguriert. Ebenfalls haben wir ein paar Werte für den verbauten Motor, wie Geschwindigkeit und Empfindlichkeit der Blockierungserkennung, eingestellt.
Im TrainController war die Drehscheibe bereits vorhanden, jedoch noch ohne Funktion. Nach dem Eingeben der Adresse und zuweisen der Gleisabgänge, sowie dem Einstellen der Bremsmarkierungen war die Einrichtung relativ schnell abgeschlossen. Wir haben uns entschieden die Loks mittig auf der Drehscheibe halten zu lassen, dafür musste für jede Lok die Länge ausgemessen werden und die Brems- & Haltemarkierungen entsprechend angepasst werden.
Vermutlich aufgrund eines Fehlers beim Verkabeln werden die 3 getrennten Blockabschnitte immer gemeinsam belegt. Daher sind die 3 Rückmelder für den Fall, dass wir das noch irgendwann gelöst bekommen, mit einem Bahnwärter in TrainController zu einem Melder zusammengefasst.
Zur einfachen Bedienung sind diverse Rangierstraßen programmiert. Diese können alle mittels Start- und Zieltasten Bedienung geschaltet werden. Die Lok fährt dann vollkommen automatisiert. Als Spielerei kann man noch mit einem Schalter vorgeben, ob die Lok vorwärts oder rückwärts von der Drehscheibe in die abgehenden Gleise fahren soll. In den Ringlokschuppen wird immer rückwärts eingefahren. Man kann jedoch wählen, ob die Lok “kurz” einfahren soll, also im Tor stehen bleiben soll, oder ob sie “lang” einfahren soll und bis zum Gleisabschluss im Schuppen verschwindet und durch eine Mechanik das Tor schließt.
Fazit #
Der Umbau hat tierischen Spaß gemacht und wir waren einige Stunden beschäftigt. Jedes Mal, wenn die Modellbahn in Betrieb ist, wird die Drehscheibe für zahlreiche Rangierfahrten verwendet. Außer dass gelegentlich mal eine Lok zu weit fährt oder zu kurz anhält (schlechter Einmessung der Loks geschuldet) funktioniert alles wunderbar. Den Preis für die Platinen und das Zubehör fand ich angemessen, es steckt immerhin viel Gehirnschmalz in der Entwicklung und wir sind sehr dankbar, dass es dieses Projekt gibt.
